Melatonin-Sprays im Drogerie-Test: Wirkstoffgehalt aufgedeckt

In Wahrheit beschreibt sie das Abschneiden frei verkäuflicher Melatonin-Sprays im aktuellen Test von Öko-Test aus dem September 2025. Sechzehn Produkte, die regulär in Apotheken, Drogerien, Supermärkten und Reformhäusern angeboten werden, erhielten die Noten „mangelhaft" oder „ungenügend". Drei weitere kamen mit „ausreichend" gerade noch über die Mindesthürde. Kein einziges Spray erreichte die Bewertung „gut".
Für uns in der Offizin ist das keine völlige Überraschung – eher die Bestätigung eines Verdachts, der sich bei solchen Produkten seit Längerem aufdrängt. Melatonin ist als Wirkstoff weder neu noch besonders exotisch. Die Substanz ist seit Jahrzehnten bekannt, und die Herstellung des Rohstoffs erklärt nicht, warum ein fertiges Produkt im Sprühstoß so stark von seiner Deklaration abweichen sollte. Trotzdem zeigt der Test, dass bei einem erheblichen Teil der untersuchten Sprays nicht nur die Wirkstoffmenge problematisch war. Auch Warnhinweise, Kennzeichnung und das Verhältnis von möglichem Nutzen und möglichen Risiken flossen in die Bewertung ein.
Genau diese Unterscheidung ist wichtig. Aus dem Ergebnis lässt sich nicht ableiten, dass alle sechzehn schlecht bewerteten Produkte ausschließlich wegen einer falschen Melatoninmenge durchgefallen sind. Der Test beschreibt vielmehr eine Produktkategorie, bei der mehrere Qualitätsprobleme zusammenkommen können – und bei der Verbraucher die Unterschiede zwischen Nahrungsergänzungsmittel und Arzneimittel leicht übersehen.
Laborergebnisse: Warum fast alle Sprays die Qualitätsprüfung verfehlten
Das wissenschaftliche Gutachten, das der Bewertung zugrunde liegt, stammt von Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz und Dr. Mario Wurglics von der Goethe-Universität Frankfurt. Die Untersuchung war kein oberflächlicher Schnelltest, sondern eine Laboranalyse mit festgelegten Prüfmethoden. Entscheidend war dabei unter anderem die Frage, ob der tatsächlich gemessene Melatoningehalt mit der Angabe auf der Verpackung übereinstimmte.
Bei mehreren Produkten wich der im Labor bestimmte Gehalt deutlich von der Deklaration ab. Ein Spray kann dabei in beide Richtungen auffällig werden: Es kann weniger Wirkstoff enthalten als angegeben – oder mehr. Beides ist bei einem Produkt problematisch, das über einen möglichst einfachen und kontrollierten Dosierweg verkauft wird.
Eine zu geringe Menge kann dazu führen, dass die auf der Verpackung vermittelte Erwartung nicht erfüllt wird. Wer davon ausgeht, mit einem Sprühstoß eine bestimmte Melatonindosis aufzunehmen, erhält dann möglicherweise deutlich weniger. Eine höhere Menge ist aber nicht automatisch besser. Gerade bei Melatonin ist die Annahme, ein stärker dosiertes Produkt müsse auch zuverlässiger wirken, zu kurz gegriffen. Die individuelle Reaktion kann unterschiedlich ausfallen, und eine zusätzliche Einnahme ohne Kenntnis der tatsächlichen Ausgangsdosis macht die Situation nicht übersichtlicher.
Die Laboranalyse war allerdings nur ein Teil der Gesamtbewertung. Die Tester beanstandeten bei verschiedenen Produkten auch fehlende oder unzureichende Warnhinweise. Hinzu kam bei zahlreichen Präparaten ein ungünstiges Nutzen-Risiko-Verhältnis. Das klingt zunächst abstrakt, lässt sich aber einfach übersetzen: Wenn der mögliche Nutzen begrenzt ist, die Dosierung schwankt und wichtige Hinweise auf der Packung fehlen, wird aus einem vermeintlich unkomplizierten Schlafprodukt keine verlässlich kontrollierte Anwendung.
| Produkt | Testnote | Einordnung im Vergleich |
|---|---|---|
| Doppelherz Aktiv Melatonin-Spray | Ausreichend | Eines der drei bestplatzierten Produkte, aber ohne uneingeschränkte Empfehlung |
| Vivinox Einschlafspray mit Melatonin | Ausreichend | Ebenfalls unter den drei bestplatzierten Produkten |
| Dr. Theiss Melatonin-Spray | Ausreichend | Ebenfalls unter den besser bewerteten Produkten, insgesamt jedoch nur ausreichend |
| Alsiroyal Gut Einschlafen 3 mg Spray | Ungenügend | Der gemessene Wirkstoffgehalt lag über 20 Prozent unter der Deklaration |
| Weitere getestete Produkte | Mangelhaft oder ungenügend | Unterschiedliche Beanstandungen bei Wirkstoffgehalt, Kennzeichnung und Gesamtbewertung |
Die Tabelle zeigt zugleich, warum die Schlagzeile „sechzehn Sprays durchgefallen" genauer gelesen werden muss. Die sechzehn Produkte erhielten zwar eine unzureichende Bewertung, aber nicht zwingend alle aus demselben Grund. Bei einem Teil standen Abweichungen beim Melatoningehalt im Vordergrund, bei anderen kamen Kennzeichnungsmängel oder eine ungünstige Nutzen-Risiko-Bewertung hinzu.
Dass ein Reformhausprodukt wie das Alsiroyal-Spray zu den Schlusslichtern gehört, ist trotzdem eine bemerkenswerte Pointe. Wer im Reformhaus einkauft, verbindet damit häufig die Erwartung einer besonders sorgfältigen Produktauswahl. Eine solche Verkaufsumgebung ersetzt jedoch keine Laborprüfung. Auch die Platzierung im Reformhaus ist keine Qualitätsgarantie – genauso wenig wie ein bekannter Markenname oder eine ansprechend gestaltete Verpackung.
Wirkstoffgehalt und Deklaration: Warum Dosierungsgenauigkeit bei Sprays so wichtig ist
Ein orales Spray wirkt auf den ersten Blick denkbar unkompliziert: Flasche ansetzen, Sprühkopf drücken, fertig. Die pharmazeutische Aufgabe dahinter ist deutlich anspruchsvoller. Der Wirkstoff muss in der Flüssigkeit gleichmäßig verteilt bleiben. Der Sprühmechanismus muss pro Betätigung möglichst reproduzierbare Mengen abgeben. Auch Eigenschaften der Trägerlösung und die Handhabung der Flasche können eine Rolle spielen.
Bei einer Lösung ist die gleichmäßige Verteilung des Wirkstoffs grundsätzlich anders zu beurteilen als bei einer Suspension. In beiden Fällen muss aber sichergestellt sein, dass die deklarierte Menge tatsächlich in der vorgesehenen Anwendung ankommt. Für Verbraucher ist das kaum zu kontrollieren. Sie können weder den Inhalt analysieren noch feststellen, ob ein Sprühstoß aus der ersten und der letzten Anwendungsphase dieselbe Menge liefert.
Melatonin ist kein neuartiger Hightech-Wirkstoff. Wenn ein Spray trotzdem deutlich von seiner Deklaration abweicht, ist das vor allem ein Qualitäts- und Kontrollproblem – nicht eine unvermeidbare Eigenheit des Wirkstoffs.
Bei einem zugelassenen Arzneimittel gelten für Herstellung, Qualitätssicherung und Freigabe andere Anforderungen als bei einem Nahrungsergänzungsmittel. Dazu gehören kontrollierte Herstellungsprozesse und Vorgaben für die gleichbleibende Qualität. Das bedeutet nicht, dass jedes Arzneimittel automatisch für jede Person geeignet ist. Es bedeutet aber, dass die Produktqualität in einen verbindlicheren regulatorischen Rahmen eingebettet ist.
Die meisten Melatonin-Sprays im Drogerieregal werden dagegen als Nahrungsergänzungsmittel verkauft. Für diese Produktgruppe gelten andere Regeln als für Arzneimittel. Sie benötigen keine arzneimittelrechtliche Zulassung mit demselben Prüfrahmen, bevor sie auf den Markt kommen. Der Hersteller ist für die Sicherheit und korrekte Kennzeichnung verantwortlich; eine routinemäßige Prüfung jeder Charge durch eine unabhängige staatliche Stelle ist damit nicht verbunden.
Das ist der entscheidende Unterschied zwischen einer gesetzlichen Verkehrsfähigkeit und einer pharmazeutischen Qualitätsgarantie. Ein Produkt darf verkauft werden, ohne dass damit automatisch bewiesen wäre, dass jeder Sprühstoß über die gesamte Haltbarkeit hinweg exakt dieselbe Wirkstoffmenge enthält.
Für die Beratung in der Apotheke entsteht daraus ein unkomfortables Dilemma. Wir können die Deklaration auf der Verpackung lesen, die allgemeine Studienlage kennen und die regulatorische Einstufung einordnen. Was wir ohne eigene Laboranalyse jedoch nicht sicher sagen können, ist, ob genau diese Flasche die angegebene Melatoninmenge pro Sprühstoß liefert. Die Antwort auf die Frage, ob ein bereits gekauftes Drogerieprodukt „etwas taugt", bleibt deshalb häufig vorsichtiger, als Kundinnen und Kunden es gerne hätten.
Nicht jede Abweichung bedeutet automatisch, dass ein Produkt akute Schäden verursacht. Sie macht eine verlässliche Dosierung aber schwieriger. Wer die Wirkung eines Präparats beurteilen möchte, muss dann mehrere Unsicherheiten gleichzeitig berücksichtigen: die tatsächliche Menge, die individuelle Reaktion, den Einnahmezeitpunkt und die Ursache der Schlafprobleme.
Health Claims versus Realität: Was die Melatonin-Dosis tatsächlich bewirkt
Auch die Werbeaussagen zu Melatonin sind stärker reguliert, als es viele Verpackungen vermuten lassen. In der Europäischen Union dürfen bestimmte gesundheitsbezogene Angaben nur verwendet werden, wenn definierte Bedingungen erfüllt sind. Für Melatonin betrifft das insbesondere zwei zugelassene Aussagen:
1. Die Verkürzung der Einschlafzeit ist an eine Aufnahme von mindestens 1 Milligramm Melatonin kurz vor dem Schlafengehen geknüpft.
2. Die Linderung der subjektiven Jetlag-Empfindung setzt eine Aufnahme von mindestens 0,5 Milligramm Melatonin am Reisetag und an den Folgetagen voraus.
Diese Schwellenwerte beziehen sich auf die tatsächlich aufgenommene Menge – nicht allein auf das, was auf dem Etikett steht. Genau hier liegt die praktische Brisanz des Tests. Wenn ein Hersteller eine bestimmte Dosis pro Sprühstoß deklariert, der Laborbefund aber eine relevante Abweichung zeigt, wird die gesundheitsbezogene Aussage zumindest erklärungsbedürftig. Eine Zahl auf der Packung ist noch kein Nachweis, dass diese Menge zuverlässig im Mund ankommt.
Das Problem betrifft auch Produkte, die bewusst niedrig dosiert angeboten werden. Ein Spray mit einer geringeren Melatoninmenge kann weiterhin verkauft werden, darf aber nicht ohne Weiteres mit einem Health Claim beworben werden, für den eine höhere Dosis vorausgesetzt wird. Für Verbraucher ist diese Grenze dennoch schwer erkennbar. Begriffe wie „Einschlafspray", ein Mondmotiv oder Hinweise auf eine Abendroutine erzeugen schnell den Eindruck einer medizinisch geprüften Wirkung, obwohl es sich rechtlich um ein Nahrungsergänzungsmittel handelt.
Ein zugelassener Health Claim bezieht sich auf eine definierte Aufnahme. Er ist kein Gütesiegel für jedes Produkt, das Melatonin auf die Verpackung schreibt.
Die Studienlage zu Melatonin ist differenzierter, als es die Werbung vieler Sprays nahelegt. Untersuchungen deuten unter bestimmten Bedingungen auf eine moderate Verkürzung der Einschlafzeit hin. Dabei spielen Dosis, Einnahmezeitpunkt, Schlafproblem und Personengruppe eine Rolle. Ergebnisse aus kontrollierten Studien mit einer genau definierten Wirkstoffmenge lassen sich nicht ohne Weiteres auf ein frei verkäufliches Spray übertragen, dessen tatsächlicher Gehalt schwanken kann.
Auch die Erwartung an die Wirkung sollte realistisch bleiben. Melatonin ist kein klassisches Beruhigungsmittel, das eine Schlafstörung unabhängig von ihrer Ursache beseitigt. Wenn jemand dauerhaft schlecht schläft, sehr früh erwacht oder nachts immer wieder aufschreckt, kann dahinter mehr stecken als ein verschobener Schlafrhythmus. Ein Spray kann in solchen Fällen die notwendige Abklärung eher verzögern, wenn es als unkomplizierte Dauerlösung verstanden wird.
Sicherheitsbedenken und regulatorische Lücken bei Nahrungsergänzungsmitteln
Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat 2024 darauf hingewiesen, dass die Datenlage nicht ausreicht, um einen sicheren Richtwert für die Langzeiteinnahme von Melatonin als Nahrungsergänzungsmittel abzuleiten. Das ist eine vorsichtige Formulierung, aber keine Entwarnung. Sie bedeutet: Für eine regelmäßige und langfristige Anwendung lässt sich die Sicherheit nicht mit derselben Selbstverständlichkeit behaupten wie bei einem Produkt, dessen Einsatzbereich klar begrenzt und ärztlich begleitet ist.
Melatonin ist kein gewöhnlicher Pflanzenextrakt. Es handelt sich um ein körpereigenes Hormon beziehungsweise Neurohormon, das an der Regulation des Schlaf-Wach-Rhythmus beteiligt ist. Dass es in niedriger Dosierung als Nahrungsergänzungsmittel angeboten werden kann, ist eine regulatorische Entscheidung. Daraus folgt nicht automatisch eine wissenschaftliche Empfehlung für die tägliche Einnahme über längere Zeit.
Drei Aspekte machen die Situation besonders relevant:
1. Eine Indikationsprüfung findet beim Kauf nicht statt. Wer ein Spray in der Drogerie oder online bestellt, bekommt in der Regel keine medizinische Einschätzung dazu, warum die Schlafprobleme bestehen. Schlafapnoe, depressive Erkrankungen, Schilddrüsenstörungen, Schichtarbeit oder eine ungünstige Medikamenteneinnahme können völlig unterschiedliche Ursachen und Behandlungsansätze haben.
2. Wechselwirkungen werden im Verkaufsprozess leicht übersehen. In der Apotheke gehört die Frage nach anderen Arzneimitteln zur Beratung. Beim Einkauf im Drogeriemarkt gibt es diesen Abgleich nicht automatisch. Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte deshalb nicht davon ausgehen, dass ein frei verkäufliches Spray grundsätzlich unproblematisch ist. Das gilt insbesondere dann, wenn die Einnahme dauerhaft geplant ist.
3. Die tatsächliche Anwendung kann von der Packungsangabe abweichen. Bei einem Spray ist die Dosierung nicht nur eine Frage der chemischen Zusammensetzung. Auch die Anzahl der Sprühstöße, die konkrete Anwendung und die Erwartung an eine schnelle Wirkung beeinflussen den Gebrauch. Wenn zusätzlich unklar ist, wie viel Melatonin pro Sprühstoß tatsächlich enthalten ist, wird die Selbststeuerung noch unsicherer.
Die regulatorische Lücke ist dabei nicht allein ein deutsches Problem. Nahrungsergänzungsmittel werden grundsätzlich anders behandelt als Arzneimittel. Der Hersteller trägt Verantwortung für die Sicherheit seines Produkts, doch die Marktkontrolle erfolgt nicht in Form einer Prüfung jeder einzelnen Charge vor dem Verkauf. Gerade bei einem Stoff, der eine erkennbare pharmakologische Wirkung haben kann, wirkt diese Einordnung für viele Verbraucher widersprüchlich.
Das Etikett kann außerdem einen falschen Eindruck von Harmlosigkeit vermitteln. „Frei verkäuflich" bedeutet nicht „für jeden geeignet", und „natürlich" wäre bei Melatonin ohnehin die falsche Kategorie. Melatonin wird zwar vom menschlichen Körper gebildet, das gekaufte Spray ist aber ein industriell hergestelltes Produkt mit eigener Dosierung, eigener Formulierung und eigenen Anwendungsrisiken.
Bewertung der drei Bestplatzierten: Dreimal „ausreichend" – kein Grund zum Jubeln
Die drei im Test am besten bewerteten Produkte waren das Doppelherz Aktiv Melatonin-Spray, das Vivinox Einschlafspray mit Melatonin und das Melatonin-Spray von Dr. Theiss. Alle drei erhielten die Note „ausreichend". Im Verhältnis zu den übrigen Testergebnissen ist das ein Vorsprung. Eine uneingeschränkte Empfehlung lässt sich daraus dennoch nicht ableiten.
„Ausreichend" bedeutet in diesem Zusammenhang nicht, dass ein Produkt umfassend überzeugt hat. Es bedeutet, dass es in der Gesamtbewertung besser abschnitt als die Konkurrenz, aber weiterhin relevante Einschränkungen bestehen. Die Unterschiede zwischen den drei Präparaten lagen in den geprüften Einzelaspekten; kein Produkt erhielt eine Bewertung, die die grundsätzlichen Fragen zur Produktgruppe erledigt hätte.
Bei der Einordnung sollte man deshalb drei Ebenen auseinanderhalten:
- Das relative Testergebnis: Ein „ausreichend" ist besser als „mangelhaft" oder „ungenügend".
- Die Dosierungsfrage: Auch ein besser bewertetes Produkt bleibt auf die Richtigkeit seiner Deklaration und die Qualität der jeweiligen Charge angewiesen.
- Die medizinische Eignung: Ein gutes Abschneiden im Warentest ersetzt keine Diagnose und keine individuelle Beratung.
Aussagen über den Wirkstoffgehalt speziell dieser drei Produkte lassen sich aus dem Test allerdings nicht ableiten. Öko-Test dokumentiert für sie die Gesamtnote „ausreichend"; konkrete Laborergebnisse zum Melatoningehalt gerade dieser Sprays werden in der veröffentlichten Auswertung nicht ausgewiesen. Wer also in der Drogerie vor einem dieser drei Produkte steht, weiß damit zwar, dass es im Vergleich weniger schlecht abgeschnitten hat – nicht aber, wie viel Melatonin tatsächlich in der Flasche enthalten ist.
Das verlagert die Verantwortung wieder zurück zum Käufer. Eine Testnote „ausreichend" ist keine Zulassung im pharmazeutischen Sinne, keine ärztliche Empfehlung und kein Beleg für eine reproduzierbare Dosierung. Wer dennoch zu einem der drei Produkte greift, sollte die Einnahme als das behandeln, was sie ist: einen Versuch mit einem freiverkäuflichen Nahrungsergänzungsmittel, dessen tatsächliche Zusammensetzung im konkreten Fall nicht überprüfbar ist.
Wer wiederholt unter Schlafproblemen leidet, kommt mit dem Gang zum Drogerieregal ohnehin nicht weiter. Eine ärztliche Abklärung der Ursache ist sinnvoller als die stille Hoffnung, ein Sprühstoß werde das Problem schon richten. Im Gespräch lässt sich klären, ob ein zugelassenes melatoninbasiertes Arzneimittel mit kontrollierter Dosis, eine nichtmedikamentöse Strategie oder eine weitergehende Diagnostik der bessere nächste Schritt ist.
Am Ende bleibt ein nüchterner Befund: Die Produktgruppe als Ganzes hat im Test versagt, die drei Bestplatzierten haben nur relativ knapp überlebt. Beides zusammen ist kein Argument dafür, Melatonin-Sprays aus der Drogerie bedenkenlos zu empfehlen – und auch keines dagegen, sich überhaupt mit dem Thema Schlaf zu beschäftigen. Es ist lediglich ein Argument dafür, die eigenen Erwartungen an ein Spray aus dem Drogerieregal auf das zu reduzieren, was es leisten kann: im besten Fall ein schwacher Hinweis in Richtung Einschlafhilfe, mehr nicht.