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The Pharmacy Benefit No One Is Managing: Clinical Research As A Care Option

Eine Analyse des Fachportals Clinical Leader zeigt: Die großen US-Apothekenketten sind zwischen 2021 und 2023 mit dem Versuch gestartet, klinische Studien direkt in ihren Filialen durchzuführen.

The Pharmacy Benefit No One Is Managing: Clinical Research As A Care Option

Apotheke als Studienzentrum – was die zweite Welle für Patienten im Gewichtsmanagement bedeutet

CVS, Walgreens, Walmart und Kroger wollten die enorme Reichweite ihrer Standorte nutzen. Die erste Welle ist weitgehend gescheitert – doch die Lehren daraus verändern gerade, wie Forschungsergebnisse zu Produkten aus den Bereichen Stoffwechsel, Hautpflege und Gewichtsmanagement entstehen. Für meine Sprechstunde ist das hochrelevant, weil immer mehr Patienten klinische Daten erfragen, bevor sie ein Nahrungsergänzungsmittel oder ein Abnehm-Präparat kaufen.

Zwischen Impfschub und Studienrealität

Die Apothekenbranche hatte aus der COVID-Impfkampagne den richtigen Schluss gezogen – aber daraus eine zu optimistische Prognose abgeleitet. Rund neun von zehn Menschen leben dem Bericht zufolge nur wenige Kilometer von einer Apotheke entfernt, die meisten besuchen sie mehrfach im Jahr, ohne Termin und ohne Überweisung. Eine enorme Erreichbarkeit, die sich in der Massenimpfung bewährt hat. Clinical Leader zieht einen Vergleich, der mir aus ärztlicher Sicht sofort einleuchtet: Eine Impfung ist ein einziger, klar protokollierter Kontakt von unter zehn Minuten – eine klinische Studie dagegen eine geregelte, longitudinale Verpflichtung über Wochen oder Monate, mit Aufklärung, Einwilligung, Eignungsprüfung, Quelldokumentation, Studienmedikamenten-Verwaltung, Sicherheitsmeldungen und Audit-Trail nach GCP-Standard. Das auf GCP-Niveau aufzusetzen ist teuer, und die Vergütung hängt davon ab, ob Patienten tatsächlich eingeschlossen und über die Studiendauer gehalten werden – Sponsoren zahlen für Ergebnis, nicht für Potenzial.

Warum die erste Welle scheiterte

CVS startete 2021 mit eigenen Clinical Trial Services, Walgreens zog 2022 nach, Walmart gründete sein Healthcare Research Institute, Kroger kündigte 2023 ein Studienzentren-Netzwerk an. Vier ambitionierte Anläufe – und innerhalb weniger Jahre drei Rückzüge: CVS stellte seine Einheit Ende 2024 ein, Walmart schloss im selben Jahr alle 51 Health Center und entzog damit dem Forschungsarm die physische Infrastruktur, Kroger wurde still. Walgreens berichtet zwar, in drei Jahren mehr als 17 Millionen Kunden angesprochen zu haben und hält einen BARDA-Vertrag für dezentrale Studien im Wert von bis zu 100 Millionen Dollar; nach der Übernahme durch Sycamore Partners im Jahr 2025 wurde im April 2026 aus der Branchenpresse allerdings bekannt, dass auch dort das Engagement auf dem Prüfstand steht – das Unternehmen äußerte sich nicht.

Für mich als Behandlerin ist die zweite Erklärung des Scheiterns die wichtigere: In mehreren dieser Modelle hat die Apothekerin oder der Apotheker einen geeigneten Patienten markiert und ihn dann an ein separates Studienteam im selben Gebäude übergeben. Damit endete genau die Beziehung, die den Erstkontakt überhaupt glaubwürdig gemacht hatte. Die Vertrauensbeziehung zwischen Apotheker und Stammkunde ist über Jahre gewachsen wie ein Ziegelmauerwerk – übergibt man den Kontakt mit dem ersten Handschlag an ein anderes Team, bricht das Mauerwerk in sich zusammen, bevor der Patient überhaupt eingeschlossen ist. Clinical Leader bringt es auf den Punkt: Apothekennähe allein schafft noch keine Studienbindung. Diesen Gedanken kann ich direkt auf meine eigene Sprechstunde übertragen: Patientinnen und Patienten, die ich seit Jahren kenne, bleiben in einem längerfristigen Betreuungsprogramm deutlich zuverlässiger als neue Kontakte aus der offenen Sprechstunde. Das Modell ist also nicht gescheitert, weil Apotheken ungeeignet wären – sondern weil die Beziehungslogik nicht mitgedacht wurde.

Was die zweite Welle anders macht – und worauf Patienten achten können

Der neue Ansatz teilt die Aufgaben konsequent: Die Apotheke liefert Standort, Laufkundschaft und bestehende Patientenbeziehung, ein forschungserfahrener Partner bringt die regulatorische Maschinerie mit. Beide Seiten konzentrieren sich auf ihre Kernkompetenz, anstatt sie zu duplizieren. Das ist architektonisch klüger und entspricht eher der Realität, wie Versorgung in der Apotheke vor Ort tatsächlich funktioniert.

Für Patienten, die im Bereich Ernährung und Gewichtsmanagement klinisch geprüfte Produkte suchen, hat das drei konkrete Konsequenzen. Erstens: Wenn Sie in einer Apotheke auf eine klinische Studie angesprochen werden, fragen Sie, ob ein forschungserfahrener Partner die Studie durchführt oder ob es ein Eigenprojekt der Kette ist. Zweitens: Klären Sie, wer die Aufklärung und die laufende Sicherheitsdokumentation übernimmt – bleibt die Betreuung in einer Hand, oder werden Sie nach dem Erstgespräch an ein anderes Team übergeben? Genau dieser Bruch war das Kernproblem der ersten Welle. Drittens: Fragen Sie nach GCP-Zertifizierung oder nach der Studienorganisation, die diese Standards garantiert. Solche strukturellen Fragen entscheiden darüber, ob die Ergebnisse später auch in Leitlinien und damit in meine tägliche Praxis einfließen.

Die zweite Welle der Apotheken-Studienzentren wird zeigen, ob das Modell trägt. Es lohnt sich, auf die ersten publizierten Studiendaten aus diesen dezentralen Netzwerken zu achten – gerade auch im Bereich Stoffwechsel und Gewichtsmanagement, wo Wirkstoffe zunehmend unter alltagsnahen Bedingungen geprüft werden müssen, bevor sie in Ihrer Hausapotheke oder in meiner Sprechstunde den entscheidenden Schritt in die Versorgung machen.