Test Nahrungsergänzungsmittel: Die Sieger für Sport & Alltag

Test Nahrungsergänzungsmittel: Was die aktuellen Laborwerte wirklich zeigen
„Ich wollte eigentlich nur etwas für meine Haut und meine Energie tun", sagt sie. „Brauche ich das alles?" Die Frage, die sie mir stellt, höre ich jede Woche. Und ehrlich gesagt war die Antwort vor fünf Jahren noch einfacher als heute – denn der Markt für Nahrungsergänzungsmittel ist in Bewegung geraten, die Testergebnisse der Stiftung Warentest und von Öko-Test zeigen ein sehr differenziertes Bild, und genau dieses Bild muss man verstehen, bevor man ein Präparat aus dem Regal zieht.
Rechtliche Einordnung: Warum Nahrungsergänzungsmittel keine Arzneimittel sind
Wer ein Nahrungsergänzungsmittel kauft, kauft – rechtlich betrachtet – ein Lebensmittel. Das klingt nach einer trockenen Banalität aus dem Lebensmittelrecht, ist aber der entscheidende Hebel, um die Testergebnisse der Nahrungsergänzungsmittel-Untersuchungen der letzten Monate zu verstehen. Nahrungsergänzungsmittel durchlaufen vor dem Verkaufsstart keine behördliche Zulassung wie ein Arzneimittel. Es gibt kein behördliches Wirksamkeitsverfahren, keine klinische Prüfung im klassischen Sinn, keine Bewertung durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. Der Hersteller muss das Produkt lediglich beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) anzeigen – mehr nicht.
Das bedeutet: Was in Kapsel-, Pulver- oder Tablettenform im Regal von dm, Rossmann oder in der Apothekenauslage steht, unterliegt zwar dem Lebensmittelrecht, wird aber nicht im Vorfeld auf Wirksamkeit oder Sicherheit geprüft. Die Unbedenklichkeit der enthaltenen Stoffe gilt grundsätzlich als gegeben, solange die vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfohlenen Höchstmengen nicht überschritten werden. Klingt sauber – ist es in der Praxis aber nicht immer.
Auf der Packung steht oft „Medizin", verkauft wird aber „Lebensmittel". Genau in dieser Lücke zwischen Anspruch und Einordnung verlieren sich die meisten Patientinnen und Patienten.
Diese rechtliche Einordnung hat zwei konkrete Konsequenzen für Verbraucherinnen und Verbraucher. Erstens: Es gibt keinen Wirksamkeitsnachweis, bevor das Produkt im Regal liegt. Die Empfehlung „bei Müdigkeit" oder „für starke Knochen" darf auf der Verpackung stehen, ohne dass eine klinische Studie den Effekt belegen muss. Zweitens: Apothekenpflichtig ist im klassischen Sinn kein Nahrungsergänzungsmittel – es wird apothekenüblich verkauft, ist aber auch in Drogerien, Supermärkten und Onlineshops frei verkäuflich. Wer glaubt, mit dem Apothekeneinkauf automatisch einen Wirknachweis mitzukaufen, liegt falsch.
Marktdynamik: Warum die Regale voll sind und wer daran verdient
Wer in einem Drogeriemarkt heute durch das Nahrungsergänzungs-Sortiment geht, sieht Regale, die vor wenigen Jahren noch nicht einmal ein Fünftel der Fläche eingenommen haben. Die Zahlen bestätigen den visuellen Eindruck. Der Gesamtumsatz mit Nahrungsergänzungsmitteln – also Vitaminen, Mineralstoffen und Supplements – ist in Deutschland von Februar 2024 bis Februar 2025 um knapp zehn Prozent auf 4,28 Milliarden Euro gestiegen. Tendenz: weiter wachsend.
Dabei zeigt die Verteilung ein interessantes Bild. Rund 80 Prozent dieses Umsatzes entfallen auf Apotheken – stationär und Versand. Etwa 20 Prozent werden im sogenannten Massenmarkt erzielt, also in Drogerien und Supermärkten. Die Apotheke bleibt also der größte Absatzkanal, auch wenn die mediale Aufmerksamkeit meistens den Drogeriemarkt-Eigenmarken gilt. Rund 25.000 neu angezeigte Nahrungsergänzungsmittel kamen im Jahr 2025 in Deutschland zusätzlich auf den Markt – eine Zahl, die die regulatorische Lücke zwischen Anzeige und Überprüfung plastisch macht.
Im Alltag meiner Patientinnen und Patienten schlägt sich dieser Boom so nieder: Wer mit einem konkreten Symptom in die Sprechstunde kommt – müde, trockene Haut, Haarausfall, Schlafstörung –, bekommt im Bekanntenkreis oft reflexartig Supplement-Empfehlungen. Vitamin D gegen die Müdigkeit, Magnesium gegen die Wadenkrämpfe, Zink für die Haut, Biotin für die Haare. Bevor ich eine Supplement-Empfehlung überhaupt ausspreche, schaue ich auf den Teller, auf den Schlaf, auf den Vitamin-D-Status im Blut. Denn das eigentliche Problem liegt selten in der Drogerieabteilung.
Überdosierung im Test: Was Magnesium, Vitamin D und Elektrolytpräparate zeigen
Seit Anfang 2025 haben Stiftung Warentest und Öko-Test mehrere für die Patientinnen und Patienten sehr relevante Substanzklassen unter die Lupe genommen. Die Befunde sind eindeutig und sollten jede Patientin aufhorchen lassen.
Im Juni 2026 hat Öko-Test 28 Magnesiumpräparate untersucht. Das Ergebnis: Jedes zweite Produkt war überdosiert und überschritt die vom BfR empfohlene Höchstmenge von 250 Milligramm Magnesium pro Tag. Bei einem Teil der Präparate lag die Tagesdosis deutlich darüber – mit dem Risiko, dass es bei dauerhafter Einnahme zu Durchfall, Bauchkrämpfen oder einer unerwünschten Belastung der Nierenfunktion kommen kann. Gerade Patientinnen mit eingeschränkter Nierenfunktion, die in der Hausarztpraxis nicht immer konsequent erfasst werden, trifft das. Magnesiumpräparate machen im Segment Mineralstoffe und Vitamine in Apotheken rund 19 Prozent des Umsatzes aus – es ist also nicht irgendeine Nischenkategorie.
Im Februar 2026 hat Stiftung Warentest 25 Vitamin-D-Präparate bewertet. Nur zwei Produkte wurden als uneingeschränkt unbedenklich eingestuft. 13 Produkte erhielten das Urteil „wenig geeignet", 5 sogar „nicht geeignet". Die Kritikpunkte reichten von Überdosierungen über fragwürdige Darreichungsformen bis hin zu Deklarationsmängeln. Die Ausgangsfrage „Brauche ich Vitamin D?" ist medizinisch sinnvoll – die Folgerung „also irgendein Präparat aus der Drogerie" ist es nicht.
Ebenfalls aufschlussreich: der Öko-Test von 25 Elektrolytpräparaten für Sportler aus dem Juni 2025. Kein einziges Produkt schnitt besser als „befriedigend" ab. Kein einziges hielt die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) oder die einschlägigen EU-Vorgaben vollständig ein. Wer als Freizeitsportler schwitzt und glaubt, mit einem Elektrolyt-Drink Verluste auszugleichen, der kauft – vorsichtig formuliert – selten ein Präparat, das hält, was die Werbung verspricht.
| Test | Produkte | Wesentlicher Befund | Empfehlung der Fachgesellschaft |
|---|---|---|---|
| Öko-Test Magnesium 06/2026 | 28 Präparate | Jedes zweite überdosiert (> 250 mg/Tag) | BfR-Höchstmenge 250 mg/Tag |
| Stiftung Warentest Vitamin D 02/2026 | 25 Präparate | Nur 2 uneingeschränkt empfehlenswert | 20 µg / 800 I.E. pro Tag |
| Öko-Test Elektrolyte 06/2025 | 25 Sportlerprodukte | Keines besser als „befriedigend" | DGE- und EU-Empfehlungen |
Die Tabelle zeigt, was viele nicht hören wollen: Der Markt für Nahrungsergänzungsmittel ist nicht in erster Linie ein Qualitätsmarkt. Er ist ein Vertrauensmarkt. Und Vertrauen ohne vorherige Überprüfung ist im Lebensmittelrecht nun einmal genau das, was das System hergibt.
Qualitätsvergleich: Apotheke ist nicht automatisch Drogerie überlegen
Ein häufiger Satz in meinem Sprechzimmer: „Aber ich habe das aus der Apotheke, das muss doch besser sein." Ich kann die Logik nachvollziehen – die Apotheke ist als Ort konzipiert, an dem Heilberufe Wissen bündeln. Bei apothekenpflichtigen Arzneimitteln ist das auch vollständig richtig. Bei Nahrungsergänzungsmitteln jedoch gilt: Sie unterliegen in Deutschland denselben lebensmittelrechtlichen Vorschriften wie eine dm-Eigenmarke oder ein Rossmann-Produkt. Wer hier einen Qualitätsvorsprung vermutet, projiziert ihn hinein.
Es gibt Apotheken-Eigenmarken, die ihre Rezepturen sehr sorgfältig zusammenstellen, engmaschig prüfen lassen und klare Höchstmengen einhalten. Es gibt Drogerie-Eigenmarken, die ebenfalls sorgfältig arbeiten. Und es gibt in beiden Vertriebswegen Produkte, die in unabhängigen Tests mit deutlichen Abzügen bewertet wurden. Der Vertriebsweg allein ist kein Gütesiegel – entscheidend sind die Rezeptur, die deklarierte Tagesdosis und die Ergebnisse unabhängiger Laborprüfungen.
Für die Bewertung eines Produkts helfen aus dermatologischer und ernährungsmedizinischer Sicht drei Fragen weiter:
- Wie ist die Tagesdosis im Verhältnis zur BfR-Empfehlung? Liegt sie darunter, ist das oft ein Zeichen für eine vorsichtige, alltagstaugliche Rezeptur.
- Welche Darreichungsform wurde gewählt? Ölige Tropfen mit Vitamin D können bei Resorptionstörungen sinnvoll sein, manche Tabletten zerfallen unzuverlässig.
- Wird auf Inhaltsstoffe geachtet, die pharmakologisch interferieren? Gerade bei Schilddrüsenmedikamenten, Antikoagulanzien oder Antibiotika ist Calcium, Magnesium oder Eisen in der Tablettenroutine ein heikles Thema.
Ergänzend lohnt der Blick auf das Testergebnis unabhängiger Institute. Wenn ein nahrungsergänzungsmittel test sieger als „gut" oder „sehr gut" ausgewiesen wird, dann ist das nicht automatisch ein Werbeversprechen, sondern eine konkrete fachliche Bewertung. Wer ein Produkt auswählt, ohne diese Bewertungen zu kennen, entscheidet im Blindflug.
BfR-Empfehlungen als Kompass: Was bei der Supplementierung wirklich zählt
Die Höchstmengenvorschläge des Bundesinstituts für Risikobewertung sind keine Marketing-Instrumente, sondern das Resultat toxikologischer Bewertungen und ernährungsmedizinischer Erfahrungen. Für die supplementierten Vitamine und Mineralstoffe gelten derzeit zwei zentrale Bezugswerte:
- Magnesium: maximal 250 Milligramm pro Tagesdosis
- Vitamin D: maximal 20 Mikrogramm (entspricht 800 Internationalen Einheiten) pro Tagesdosis
Wer dauerhaft mehr einnimmt, kann das tun – sollte es aber ärztlich begründen lassen, etwa bei nachgewiesenem schweren Vitamin-D-Mangel im Blutserum. Eine Selbsttherapie mit höheren Dosen ohne Laborkontrolle ist das, was ich im Alltag immer wieder sehe und was am Ende zu den Symptomen führt, wegen derer die Patientin ursprünglich gekommen ist.
In der dermatologischen Sprechstunde spielt Vitamin D eine besondere Rolle. Haut, die regelmäßig UV-Licht ausgesetzt war, synthetisiert Vitamin D selbst. In den Wintermonaten, bei dunklem Hauttyp, bei strenger Sonnenvermeidung oder bei Patientinnen mit chronisch-entzündlichen Hauterkrankungen kann ein Mangel entstehen. Wer aber ein Vitamin-D-Präparat nach dem Motto „viel hilft viel" wählt und damit die empfohlene Tageshöchstmenge dauerhaft überschreitet, riskiert eine Hyperkalzämie – also einen erhöhten Kalziumspiegel im Blut, der unter anderem Nieren, Herz und Gefäße belasten kann.
Mehr ist nicht gleich besser. Wer drei Präparate täglich schluckt, ist nicht dreifach versorgt – sondern oft dreifach überdosiert.
Ebenso entscheidend ist die Frage, ob überhaupt ein Mangel vorliegt. Wer sich ausgewogen ernährt, regelmäßig Fisch, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte und saisonales Gemüse isst, hat in den meisten Lebenslagen keinen relevanten Vitamin- oder Mineralstoffmangel. Ein teures Multivitaminpräparat ersetzt keine Ernährungsumstellung – und schon gar nicht die Frage nach Schlaf, Stress und Bewegung, die in den meisten Konsultationen am Anfang steht.
Was in der Praxis zählt: Wie Patientinnen und Patienten sinnvoll auswählen
Was bedeutet das alles nun konkret für die Auswahl? In meiner Sprechstunde hat sich eine kleine Reihenfolge bewährt, die nichts mit Werbung, aber viel mit dem praktischen Alltag meiner Patientinnen und Patienten zu tun hat.
Erstens, ehrlich sein beim Blick auf den eigenen Lebensstil. Wer regelmäßig schläft, sich ausgewogen ernährt, Sport treibt und sich draußen aufhält, braucht in der Regel keine breite Supplementierung. Wer einseitig isst, kaum an die Sonne kommt oder dauerhaft müde ist, sollte seinen Hausarzt oder seine Hausärztin aufsuchen, bevor er zur Drogerie geht.
Zweitens, den Status messen, bevor er substituiert wird. Vitamin D, Eisen, Vitamin B12, Ferritin – das sind Werte, die mit einer einfachen Blutentnahme objektiviert werden können. Wer substituieren will, ohne vorher zu messen, behandelt ins Blaue.
Drittens, Höchstmengen respektieren. Ein Blick auf die deklarierte Tagesdosis und ein Vergleich mit den BfR-Empfehlungen reicht oft schon aus, um zwischen einem sinnvollen und einem überdosierten Produkt zu unterscheiden. Wer ein Präparat wählt, das konsequent unter der Höchstmenge bleibt, ist in der Regel auf der sicheren Seite.
Viertens, Wechselwirkungen ernst nehmen. Gerade in der dermatologischen Sprechstunde begegne ich häufig Patientinnen, die gleichzeitig ein orales Isotretinoin gegen schwere Akne, ein Schilddrüsenmedikament oder Antibiotika einnehmen. Calcium, Magnesium, Eisen und Zink können die Resorption verschiedener Arzneimittel klinisch relevant beeinflussen. Ein Abstand von zwei bis vier Stunden zwischen Supplement und Medikament ist dann kein Luxus, sondern pharmakologische Notwendigkeit.
Fünftens, Testergebnisse heranziehen. Wer ein nahrungsergänzungsmittel test sieger-Produkt aus unabhängigen Tests wählt und damit den Empfehlungen von Stiftung Warentest oder Öko-Test folgt, hat eine zusätzliche Sicherheitsebene. Die Bezeichnungen „beste nahrungsergänzungsmittel marken" oder „nahrungsergänzungsmittel bewertung" sind im Internet inflationär – verlässlich sind am Ende nur die Laborwerte aus unabhängigen Prüfungen.
Sechstens, nicht jedem Trend folgen. Kollagenpeptide, Ashwagandha, NMN, Resveratrol, NAD-Precursor – die Liste der modischen Supplemente wird jeden Monat länger. Bevor ein neues Lifestyle-Produkt in den persönlichen Alltag integriert wird, lohnt sich die Frage, ob der versprochene Effekt überhaupt klinisch belegt ist und ob die Dosierung den BfR-Rahmen einhält.
Position: Weniger Regal, mehr Diagnostik
Wer mich nach einer pauschalen Empfehlung fragt, ob er denn jetzt zur Apotheke oder zur Drogerie gehen solle, dem antworte ich ehrlich: Die Frage stellt sich nicht. Was sich stellt, ist die Frage, ob das Supplement überhaupt nötig ist. In den meisten Fällen, die ich täglich sehe, ist die Antwort nein. In einigen Fällen, in denen ein nachgewiesener Mangel vorliegt, führt der Weg erst über die Labordiagnostik und dann über eine ärztliche Empfehlung, welche Dosierung und welche Darreichungsform sinnvoll sind.
Die Testergebnisse der vergangenen Monate zeigen mir vor allem eines: Der Markt für Nahrungsergänzungsmittel ist erwachsen geworden, ohne erwachsen zu werden. Er wächst, er diversifiziert sich, er spricht immer neue Zielgruppen an – aber die regulatorische Lücke zwischen Anzeige und Überprüfung bleibt bestehen. Genau deshalb ist die ehrliche Aufklärung in der Sprechstunde, aber auch in einer fachlich fundierten Berichterstattung, so wichtig.
Wer also das nächste Mal vor dem Regal steht und unsicher ist, der kann sich an einer einfachen Regel orientieren: Nicht kaufen, was die Werbung verspricht. Nicht kaufen, was die Mehrheit einnimmt. Sondern vorher messen, ob ein Mangel besteht. Wer das tut, hat schon den größten Fehler vermieden, den der aktuelle Markt der Nahrungsergänzungsmittel aktiv fördert – den Fehler, mehr zu schlucken, als gut tut.