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RM-718: Neue MC4R-Therapie reduziert BMI bei hypothalamischer Adipositas um 11,6 Prozent

Wie The Clinical Trial Vanguard berichtet, hat Rhythm Pharmaceuticals vorläufige Phase-2-Ergebnisse zu RM-718 vorgelegt — einem einmal wöchentlich verabreichten MC4R-Agonisten bei erworbener hypothalamischer Adipositas.

RM-718: Neue MC4R-Therapie reduziert BMI bei hypothalamischer Adipositas um 11,6 Prozent

Über 16 Wochen erreichte die bisher kleine Kohorte von sieben auswertbaren Patienten eine mittlere BMI-Reduktion von 11,6 Prozent. Für die dermatologische und ernährungsmedizinische Praxis ist dabei weniger die Effizienzzahl das Signal, sondern das, was sie begleitet: ein deutlich entschärftes Hyperpigmentierungsprofil im Vergleich zur bisherigen Therapie.

Der Mechanismus: gezielt MC4R, geschont MC1R

RM-718 wurde so konstruiert, dass es den hypothalamischen Sättigungsrezeptor MC4R aktiviert, den Melanin-Rezeptor MC1R dagegen meidet. Im Bild gesprochen: Das Medikament dreht am Hauptschalter für Appetit und Energiehaushalt, ohne gleichzeitig den Stellknopf für die Hautpigmentierung mitzubewegen. In den Studien zur Setmelanotide-Zulassung trat eine Hyperpigmentierung bei 78 Prozent der Behandelten auf — eine direkte Folge der MC1R-Mitaktivierung. In der RM-718-Kohorte wurden bislang nur zwei leichte Hyperpigmentierungen dokumentiert, beide auf die Injektionsstelle begrenzt, ohne generalisierte Dunkelverfärbung der Haut. Das ist genau das Designziel, und es hat sich im Menschen bestätigt. Mit Bivamelagon (10,1 Prozent BMI-Reduktion über 14 Wochen) und Setmelanotide (10,1 Prozent über 16 Wochen in Phase 2/3) liegt RM-718 in einem vergleichbaren Wirkungsbereich — Verträglichkeit wird also nicht gegen schwächere Effektivität eingetauscht.

Kontext für die Versorgung

Erworbene hypothalamische Adipositas bleibt eine seltene Erkrankung — epidemiologische Daten aus Deutschland schätzten die Zahl der Betroffenen für 2019 und 2020 auf rund 2.500 Patienten. Im März 2026 hat die FDA die erweiterte Setmelanotide-Indikation auf Erwachsene und Kinder ab vier Jahren mit dieser Diagnose ausgeweitet und damit den MC4R-Signalweg für diese Population validiert. RM-718 tritt damit nicht gegen einen leeren Markt an, sondern gegen das eigene, bereits zugelassene Schwesterpräparat des Herstellers — und muss sich über das Verträglichkeitsprofil differenzieren.

Was bleibt zu beobachten

Die offene Studie umfasst n=7 für den primären Wirksamkeits-Endpunkt, zwei Patienten brachen wegen unerwünschter Ereignisse ab. Die entscheidenden Fragen: Hält das MC1R-sparende Profil, wenn die Kohorte auf elf Patienten wächst? Bleiben die Pigmentveränderungen lokal? Bestätigt sich das Signal über längere Nachbeobachtung? Sollte es standhalten, wird RM-718 für Patienten interessant, denen die kosmetische Begleitwirkung von Setmelanotide den Alltag mit der Therapie erschwert — und in der Praxis sehen wir, dass genau dieser Faktor über Compliance und langfristigen Erfolg mitentscheidet.