Mahlzeitenersatz ohne Soja: Drei Shakes im Vergleich

Mahlzeitenersatz ohne Soja: Drei vegane Shakes im Vergleich
Gleichzeitig ist „vegan“ kein verlässliches Synonym für „sojafrei“. Gerade bei pflanzlichen Abnehmshakes gehören Sojaprotein, Sojaöl oder Sojalecithin zu den häufig eingesetzten Zutaten.
Im Vergleich von Huel Powder v3.0, Orangefit Diet und BERTRAND Vegan zeigen sich deshalb nicht nur Unterschiede beim Geschmack oder bei der Kalorienzahl. Entscheidend sind die Proteinquelle, die rechtliche Einordnung als Mahlzeitenersatz und die Frage, ob Vitamine und Mineralstoffe zugesetzt oder ausschließlich über natürliche Zutaten eingebracht werden. Aus medizinischer Sicht ist außerdem relevant, wie gut sich ein Produkt in den Alltag integrieren lässt — denn die beste Bilanz auf dem Etikett nützt wenig, wenn der Shake nach wenigen Tagen nicht mehr vertragen oder akzeptiert wird.
Was ein Mahlzeitenersatz rechtlich leisten muss
Ein Shake zur Gewichtskontrolle ist nicht automatisch ein vollständiger Mahlzeitenersatz. Die Bezeichnung klingt im Alltag oft großzügiger, als sie rechtlich und ernährungsphysiologisch ist. Ein reines Proteinpulver kann beispielsweise 20 oder 30 Gramm Eiweiß pro Portion liefern, bleibt aber trotzdem ein Proteinpräparat, wenn die erforderlichen Mengen an Vitaminen, Mineralstoffen und weiteren Makronährstoffen fehlen.
Für Formula-Diäten zur Gewichtskontrolle gelten in der Europäischen Union konkrete Vorgaben. Eine Portion muss zwischen 200 und 400 Kilokalorien liefern. Außerdem müssen zwischen 25 und 50 Prozent der Energie aus Protein stammen. Hinzu kommen Mindestmengen bestimmter Nährstoffe, darunter mindestens 172,5 Milligramm Natrium und 500 Milligramm Kalium pro Mahlzeit.
Diese Vorgaben sind keine Garantie dafür, dass ein Produkt jedem Menschen bekommt oder automatisch zu einer erfolgreichen Gewichtsabnahme führt. Sie bilden jedoch ein Mindestgerüst, das einen Mahlzeitenersatz von einem beliebigen Eiweißshake unterscheidet.
Ein Shake ist erst dann ein echter Mahlzeitenersatz, wenn er nicht nur satt macht, sondern eine Mahlzeit auch in ihrer Nährstoffbreite sinnvoll ersetzt.
Für die Gewichtsabnahme bleibt das Kaloriendefizit der zentrale Mechanismus. Ob ein Shake Soja enthält oder nicht, entscheidet daher nicht grundsätzlich darüber, ob er „besser“ oder „schlechter“ beim Abnehmen funktioniert. Der Unterschied liegt vor allem in Verträglichkeit, Zusammensetzung, Sättigung, Geschmack und Alltagsintegration.
Die drei Produkte im direkten Überblick
| Produkt | Portion und Energie | Proteinmenge und -quelle | Besondere Einordnung |
|---|---|---|---|
| Huel Powder v3.0 | 100 g, 400 kcal | 29–30 g aus Erbsen- und Reisprotein | Vegan, sojafrei, Vitamine und Mineralstoffe zugesetzt |
| Orangefit Diet | 65 g, etwa 245–248 kcal | etwa 29,7–30,9 g ausschließlich aus Erbsenprotein | Vegan, sojafrei, konzentrierte Proteinversorgung |
| BERTRAND Vegan | etwa 100 g, 394 kcal | 14,7 g aus Vollkornhafer, Mandeln und Reis | Bio-zertifiziert, Nährstoffversorgung über natürliche Zutaten, keine synthetisch zugesetzten Vitamine und Mineralstoffe |
Die Produkte sind damit nicht einfach drei Varianten desselben Konzepts. Huel und Orangefit orientieren sich stärker an einer rechnerisch präzisen Nährstoffversorgung mit zugesetzten Mikronährstoffen. BERTRAND setzt auf ein anderes Ernährungsverständnis und bringt die Nährstoffe über verschiedene natürliche Zutaten ein. Das kann attraktiv sein, erschwert aber den direkten Vergleich mit klassischen Formula-Produkten.
Huel Powder v3.0: ausgewogene Makronährstoffbasis aus Erbse und Reis
Huel Powder v3.0 gehört zu den sojafreien Mahlzeitenersatzprodukten, die ihre Proteinversorgung aus zwei pflanzlichen Quellen aufbauen: Erbsen- und Reisprotein. Pro Portion von 100 Gramm liefert der Shake 400 Kilokalorien und etwa 29 bis 30 Gramm Protein. Damit liegt er am oberen Ende des gesetzlich vorgesehenen Energiebereichs für einen Mahlzeitenersatz zur Gewichtskontrolle.
Die Kombination aus Erbse und Reis ist ernährungsphysiologisch nachvollziehbar. Pflanzliche Proteinquellen unterscheiden sich in ihrem Aminosäureprofil; die Kombination kann deshalb ausgewogener sein als die ausschließliche Verwendung einer einzigen Quelle. Für den Alltag ist außerdem hilfreich, dass nicht nur ein konzentriertes Proteinpulver vorliegt, sondern ein Produkt, das als komplette Mahlzeit konzipiert ist.
Die Kalorienmenge von 400 Kilokalorien sollte man jedoch nicht übersehen. Sie ist nicht problematisch, aber sie muss in die Tagesbilanz passen. Wer den Shake zusätzlich zu den gewohnten Mahlzeiten trinkt, statt eine Mahlzeit damit zu ersetzen, verschiebt die Energiebilanz möglicherweise in die falsche Richtung. Ein Mahlzeitenersatz wirkt nicht durch seine Bezeichnung, sondern durch die konkrete Stelle, die er im Tagesablauf einnimmt.
In der Praxis ist Huel besonders interessant für Menschen, die eine relativ substanzielle Mahlzeit ersetzen möchten, etwa während eines langen Arbeitstags oder auf Reisen. Die Portion liefert mehr Energie als Orangefit und kann dadurch bei manchen Anwenderinnen und Anwendern eine bessere Sättigung erreichen. Bei anderen ist genau diese Menge zu hoch, wenn das Mittagessen normalerweise kleiner ausfällt.
Die zugesetzten Vitamine und Mineralstoffe sind kein Makel. Sie machen die Nährstoffzusammensetzung planbarer und erleichtern die Einhaltung definierter Mengen. Wer allerdings möglichst wenig synthetisch zugesetzte Mikronährstoffe verwenden möchte, wird sich mit diesem Konzept weniger identifizieren.
Für wen Huel gut passen kann
Huel ist eine plausible Wahl, wenn eine vollständige, kalorienmäßig eher großzügige Mahlzeit gesucht wird und eine Mischung aus Erbsen- und Reisprotein besser verträglich oder angenehmer erscheint als ein reines Erbsenprotein. Auch für Menschen, die bei einer Diät nicht mit sehr kleinen Portionen arbeiten möchten, kann die Energiedichte alltagstauglich sein.
Zu beachten bleibt die individuelle Verträglichkeit. Hülsenfruchtproteine können bei empfindlichen Personen Völlegefühl oder Blähungen auslösen, wobei sich die Reaktion nicht zuverlässig allein aus der Zutatenliste ableiten lässt. Entscheidend ist, wie der eigene Darm auf die konkrete Rezeptur reagiert und ob sich die Portion ohne Beschwerden in den Alltag einfügt.
Orangefit Diet: viel Protein bei vergleichsweise wenig Energie
Orangefit Diet verfolgt einen deutlich konzentrierteren Ansatz. Eine Portion von 65 Gramm liefert etwa 245 bis 248 Kilokalorien und rund 29,7 bis 30,9 Gramm Protein. Das Protein stammt ausschließlich aus Erbsenprotein. Im Verhältnis zur Kalorienmenge ist der Eiweißanteil damit hoch, was für Menschen interessant sein kann, die während einer kalorienreduzierten Ernährung gezielt auf eine ausreichende Proteinzufuhr achten möchten.
Die geringere Kalorienmenge macht Orangefit Diet in bestimmten Alltagssituationen einfacher einsetzbar. Wer mittags nur eine leichte Mahlzeit benötigt oder den Shake in eine Tagesplanung mit zusätzlichem Obst, Gemüse oder einer kleinen Beilage integrieren möchte, hat mehr Spielraum als bei einer 400-Kilokalorien-Portion. Gleichzeitig bedeutet weniger Energie nicht automatisch weniger Hunger. Sättigung entsteht nicht nur durch Protein, sondern auch durch Volumen, Konsistenz, Ballaststoffe, Essgeschwindigkeit und die persönliche Erwartung an eine Mahlzeit.
Gerade hier zeigt sich ein häufiger Fehler bei Abnehmshakes: Eine hohe Proteinzahl wird mit einer umfassenden Mahlzeit verwechselt. Orangefit Diet ist als Mahlzeitenersatz formuliert und nicht mit einem reinen Proteinpulver gleichzusetzen. Dennoch sollte die individuelle Tagesstruktur entscheiden, ob die Portion tatsächlich eine Mahlzeit ersetzt oder eher als proteinreiche Ergänzung verwendet wird.
Das reine Erbsenprotein kann für Menschen mit bestimmten Unverträglichkeiten gegenüber Milch oder Soja attraktiv sein. Es ist aber nicht automatisch für jeden Magen die angenehmste Lösung. Manche Personen empfinden Erbsenprotein als mehlig oder entwickeln bei größeren Mengen ein Druckgefühl im Bauch. Andere kommen damit problemlos zurecht. Die Compliance — also die Fähigkeit, eine Ernährungsmaßnahme über Wochen und Monate tatsächlich durchzuhalten — hängt deshalb stark von Geschmack und Verträglichkeit ab.
Der proteinreichste Shake ist nicht automatisch der beste Abnehmshake; der beste ist derjenige, der die geplante Mahlzeit sinnvoll ersetzt und dauerhaft akzeptiert wird.
Orangefit im Alltag
Orangefit Diet eignet sich vor allem für Situationen, in denen eine kalorienärmere, eiweißbetonte Mahlzeit gebraucht wird: im Büro, nach einem Termin oder an Tagen, an denen eine größere feste Mahlzeit später noch folgt. Die Portion ist kompakter als bei Huel und kann dadurch leichter in eine strukturierte Kalorienplanung eingebaut werden.
Wer allerdings regelmäßig stark hungrig auf den Shake zurückgreift, sollte nicht einfach die Pulvermenge erhöhen. Dann wäre zunächst zu prüfen, ob die Mahlzeit ausreichend Volumen und Ballaststoffe bietet oder ob der Shake an dieser Stelle grundsätzlich nicht zur persönlichen Essstruktur passt. Ein Produkt, das täglich zu Heißhunger führt, ist trotz guter Nährwerte keine gute langfristige Lösung.
BERTRAND Vegan: natürliche Zutaten statt zugesetzter Mikronährstoffe
BERTRAND Vegan unterscheidet sich am deutlichsten von den beiden anderen Produkten. Der Bio-zertifizierte Shake verzichtet auf synthetisch zugesetzte Vitamine und Mineralstoffe und setzt stattdessen auf natürliche Zutaten wie Sanddornpulver, Guavenextrakt und Nährhefe. Als Proteinquellen werden unter anderem glutenfreier Vollkornhafer, Mandeln und Reis verwendet.
Pro 100 Gramm liefert BERTRAND Vegan etwa 394 Kilokalorien, aber nur 14,7 Gramm Protein. Diese Relation ist für die Einordnung entscheidend. Rechnet man die Proteinmenge grob in Energie um, stammen daraus rund 15 Prozent der Kalorien. Damit liegt der Proteinenergieanteil nach den vorliegenden Nährwertangaben unter dem Bereich von 25 bis 50 Prozent, der für einen Mahlzeitenersatz zur Gewichtskontrolle in der EU vorgesehen ist.
Das bedeutet nicht, dass BERTRAND Vegan als Lebensmittel grundsätzlich ungeeignet wäre. Es bedeutet vielmehr, dass das Produkt nicht ohne Weiteres mit einem klassischen, proteinbetonten Formula-Shake gleichgesetzt werden sollte. Wer einen Mahlzeitenersatz mit möglichst hohem Proteinanteil sucht, findet bei Huel oder Orangefit das deutlich passendere Profil.
Die Stärke von BERTRAND liegt an anderer Stelle: in der Zutatenphilosophie. Manche Menschen bevorzugen eine Rezeptur, bei der Mikronährstoffe über verschiedene Lebensmittel und Pflanzenbestandteile eingebracht werden, anstatt über eine lange Liste isolierter Zusätze. Dieses Konzept kann sich subjektiv natürlicher anfühlen und für bestimmte Nutzerinnen und Nutzer die Akzeptanz verbessern.
Aus klinischer Perspektive sollte man „natürlich“ jedoch nicht mit „automatisch vollständiger“ oder „besser wirksam“ verwechseln. Auch natürliche Zutaten können Allergien auslösen, und auch ein Bio-Produkt kann eine Mahlzeit nicht in jeder Hinsicht ersetzen. Bei BERTRAND Vegan ist daher besonders wichtig, den tatsächlichen Verwendungszweck zu betrachten: Geht es um eine komplette Formula-Mahlzeit zur Gewichtskontrolle oder um ein kalorienhaltiges, pflanzliches Lebensmittel für eine flexible Ernährung?
Die Proteinfrage bei BERTRAND Vegan
Die 14,7 Gramm Protein pro 100 Gramm Pulver sind deutlich weniger als bei Huel und Orangefit. Das ist für eine gemischte Ernährung nicht zwangsläufig problematisch, kann bei einer kalorienreduzierten Ernährung aber relevant werden. Protein unterstützt die Sättigung und hilft dabei, fettfreie Körpermasse während einer Gewichtsabnahme besser zu erhalten. Der individuelle Bedarf hängt unter anderem von Körpergewicht, Alter, Aktivitätsniveau, Muskelmasse und medizinischer Situation ab.
Wer BERTRAND Vegan als vollständigen Mahlzeitenersatz nutzt, sollte deshalb nicht nur auf die Kalorienzahl achten, sondern die gesamte Proteinzufuhr des Tages im Blick behalten. Ein Shake mit knapp 400 Kilokalorien und vergleichsweise wenig Protein kann in der Tagesbilanz viel Energie beanspruchen, ohne das Sättigungs- und Proteinprofil zu erreichen, das manche Menschen während einer Diät benötigen.
Sojafrei ist nicht dasselbe wie vegan
Die drei verglichenen Produkte sind vegan und sojafrei. Daraus lässt sich aber keine allgemeine Regel für den Markt ableiten. Viele bekannte Diät-Shakes enthalten Sojaeiweiß-Isolat, Sojaöl oder Sojalecithin. Das gilt auch für Produkte, die mit pflanzlichen Zutaten oder veganer Ernährung werben.
Für Menschen mit Sojaallergie reicht daher ein Blick auf die Vorderseite der Verpackung nicht aus. Die Zutatenliste muss vollständig gelesen werden. Besonders relevant sind Bezeichnungen wie:
- Sojaprotein oder Sojaeiweiß-Isolat, das häufig als zentrale Proteinquelle eingesetzt wird.
- Sojaöl, das in einzelnen Rezepturen als Fettquelle vorkommen kann.
- Sojalecithin, das als Emulgator verwendet wird und auch in Produkten auftauchen kann, die auf den ersten Blick nicht nach Soja aussehen.
- Hinweise zu möglichen Spuren, die nicht dasselbe sind wie eine bewusst eingesetzte Zutat, bei einer ausgeprägten Allergie aber dennoch ärztlich oder allergologisch eingeordnet werden sollten.
Die Bezeichnung „sojafrei“ sollte außerdem nicht mit „frei von jeder Hülsenfrucht“ verwechselt werden. Huel und Orangefit enthalten Erbsenprotein, und Erbsen gehören ebenfalls zu den Leguminosen. Eine Sojaallergie bedeutet nicht automatisch, dass Erbsen nicht vertragen werden; bei einer individuellen Allergieneigung ist die persönliche medizinische Vorgeschichte jedoch wichtiger als allgemeine Produktversprechen.
Mahlzeitenersatz oder Proteinpulver? Die Grenze ist praktisch wichtig
Reine Proteinpulver für den Muskelaufbau sind rechtlich nicht automatisch vollwertige Mahlzeitenersatzprodukte. Ihnen fehlen typischerweise die gesetzlich vorgesehenen Mengen an Vitaminen, Mineralstoffen und weiteren Makronährstoffen, die für eine Formula-Diät erforderlich sind. Ein Shake kann also sehr proteinreich sein und trotzdem keine Mahlzeit ersetzen.
Diese Unterscheidung ist im Alltag deshalb wichtig, weil beide Produktgruppen ähnlich vermarktet werden. Ein Proteinpulver kann nach dem Sport sinnvoll sein, wenn die normale Ernährung bereits ausreichend Nährstoffe liefert. Für die Gewichtsabnahme ist es aber nicht automatisch geeignet, eine komplette Mahlzeit zu ersetzen. Wer nur Protein mit Wasser mischt, erhält in der Regel keine ausgewogene Mahlzeit, sondern eine einzelne Nährstoffkomponente.
Bei Huel und Orangefit ist der Anspruch eines Mahlzeitenersatzes klarer erkennbar: Die Kalorienmengen liegen im vorgeschriebenen Bereich, und die Proteinmengen sind hoch. BERTRAND Vegan besitzt dagegen ein anderes Nährstoffprofil. Der Shake kann in eine pflanzliche Ernährung passen, sollte aber hinsichtlich seiner Eignung als Formula-Mahlzeit nicht allein aufgrund der Kalorienzahl bewertet werden.
Was beim Abnehmen tatsächlich entscheidet
Der Gewichtsverlust entsteht durch ein anhaltendes Kaloriendefizit — nicht durch die Abwesenheit von Soja und auch nicht durch ein einzelnes Pulver. Ein sojafreier Shake kann die Umsetzung erleichtern, wenn er eine vorher unstrukturierte Mahlzeit ersetzt, die Portionierung vereinfacht und zuverlässig sättigt. Er kann aber ebenso wirkungslos bleiben, wenn zusätzlich weitergegessen wird oder die eingesparten Kalorien an anderer Stelle wieder auftauchen.
In der Praxis achten wir deshalb nicht nur auf die Nährwerttabelle, sondern auf mehrere miteinander verbundene Fragen:
- Ersetzt der Shake tatsächlich eine Mahlzeit oder wird er zusätzlich getrunken?
- Passt die Portionsgröße zum persönlichen Hunger und zum Kalorienziel?
- Wird das Produkt über mehrere Wochen geschmacklich und gastrointestinal vertragen?
- Liefert es ausreichend Protein für die individuelle Situation?
- Ist die Zubereitung im Arbeitsalltag, auf Reisen oder in familiären Routinen realistisch?
- Bleibt neben dem Shake Raum für Gemüse, Obst, Ballaststoffe und eine abwechslungsreiche feste Ernährung?
- Gibt es medizinische Besonderheiten, etwa eine Nierenerkrankung, eine Schwangerschaft, eine Essstörung oder eine relevante Allergie, die eine individuelle Beratung erforderlich machen?
Gerade der letzte Punkt wird bei Abnehmprodukten häufig unterschätzt. Ein Mahlzeitenersatz ist kein neutraler Gegenstand, sondern greift in die Energiezufuhr und die Essstruktur ein. Bei bestimmten Erkrankungen oder einer Vorgeschichte mit restriktivem Essverhalten kann ein standardisiertes Shake-Konzept ungeeignet sein, auch wenn die Nährwertangaben formal überzeugend aussehen.
Mein Urteil: Huel für die vollständigere Portion, Orangefit für die kalorienärmere Proteinstrategie
Im direkten Vergleich gibt es keinen universellen Testsieger, wohl aber einen klaren Sieger je nach Zielsetzung.
Huel Powder v3.0 ist die überzeugendste Option, wenn eine substanzielle Mahlzeit mit 400 Kilokalorien, rund 29 bis 30 Gramm Protein und einer Kombination aus Erbsen- und Reisprotein gesucht wird. Die Rezeptur ist auf eine berechenbare Nährstoffversorgung ausgelegt. Der Nachteil liegt in der relativ hohen Kalorienmenge: Für kleine Mahlzeiten oder ein knappes Energiebudget kann die Portion zu groß sein.
Orangefit Diet ist die passendere Wahl, wenn möglichst viel Protein mit rund 245 bis 248 Kilokalorien kombiniert werden soll. Der Shake eignet sich damit gut für eine kalorienbewusste Tagesplanung, sofern die geringere Energiemenge ausreichend sättigt. Das ausschließlich verwendete Erbsenprotein ist zugleich die zentrale Stärke und der wichtigste Verträglichkeitsfaktor.
BERTRAND Vegan richtet sich an Menschen, die natürliche Bio-Zutaten und eine Nährstoffversorgung ohne synthetisch zugesetzte Vitamine und Mineralstoffe bevorzugen. Als sojafreies veganes Lebensmittel kann das Konzept interessant sein. Für eine proteinbetonte Formula-Diät zur Gewichtskontrolle ist es nach den vorliegenden Nährwertangaben jedoch weniger überzeugend, weil der Proteinanteil deutlich niedriger ausfällt und die gesetzlichen Kriterien für den Proteinenergieanteil nicht erreicht.
Meine praktische Empfehlung lautet deshalb: Bei einer Sojaallergie oder dem Wunsch nach einem veganen Mahlzeitenersatz sollten Huel und Orangefit zuerst anhand von Verträglichkeit, Portionsgröße und Tagesplanung verglichen werden. Huel passt eher zu einer größeren, vollständiger konzipierten Mahlzeit; Orangefit eher zu einer kalorienärmeren, proteinzentrierten Lösung. BERTRAND Vegan ist kein gleichwertiger Ersatz in derselben Kategorie, sondern eine anders gedachte Option, deren Stärken bei Zutatenqualität und natürlicher Nährstoffzufuhr liegen.
Ein sojafreier Mahlzeitenersatz kann die Ernährung vereinfachen, aber er nimmt die medizinische und praktische Prüfung nicht ab. Entscheidend ist nicht das lauteste Versprechen auf der Packung, sondern ob Zusammensetzung, Verträglichkeit und Alltagsintegration über längere Zeit zusammenpassen.